Alles wird wieder gut, 2006
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Alles wird wieder gut, 2006
Frédéric Moser and Philippe Schwinger
Hinter der Vierten Wand. Fiktive Leben – Gelebte Fiktionen
Curated by Ilse Lafer
Jun 2–Aug 15, 2010

 

Wenig hat die Weltordnung so empfindlich getroffen wie die krisenhaften Ereignisse des letzten Jahres. Nach mehr als einjährigem Verharren in der Warteschleife des prognostizierten Katastrophenszenarios wurde mit gezielter Vorsicht die Entspannung ausgerufen, was allerdings nicht darüber hinwegzutäuschen vermochte, dass aktuelle Formen der Wissensvermittlung, der Meinungs- und Kritikbildung „den Horror des Realen" (Slavoj Žižek) hinter der Maske des Fiktiven nur verschleiern. Virtuelle Institutionen, die auf die effektvolle Konstruktion unseres Denkens und Begehrens ausgerichtet sind, lassen die Frage auftauchen, ob die Differenz zwischen „Sein und Schein" nicht längst aufgehoben und Realität zu einer undurchdringlichen Oberfläche geworden ist.

Dieser Befund bildet die Ausgangslage für die Ausstellung: Die KünstlerInnen widmen sich der Frage und Schwierigkeit, im medialen Raum von heute einen Ort der kritischen Reflexion zu etablieren. Die Ästhetik des Avantgardefilms – seine Integration des Theatralen und Performativen – oder auch Bertolt Brechts Verfremdungseffekt liefern Verfahren zur Aktivierung der „Vierten Wand" als Analyseinstrument und bieten Alternativen zu einer entfremdeten Lebenswelt.
Die Ausstellung unternimmt den Versuch, Denis Diderots Idee der Vierten Wand als ästhetischer Nahtstelle am Übergang von medial produziertem zu dessen verinnerlichtem Bild zu aktivieren. Vergleichbar der Leinwand im Kinoraum, erzeugt die „durchsichtige" Wand eine Distanz zwischen Bühne und Zuschauerraum. Diderots Mise-en-scéne – eine Abfolge von emotional aufgeladenen Tableaux vivants –, die ein komplexes Vexierspiel mit der An- und Abwesenheit der Vierten Wand beschreibt, öffnet einen Möglichkeitsraum, die Realität im Zerrspiegel ihrer multiperspektivischen Facetten zu betrachten. Anhand dieser Analyse und dem daraus resultierenden Erkennen wäre emanzipatorisches Handeln vielleicht wieder möglich. Die KünstlerInnen der Ausstellung nehmen dazu mikropolitische Gemeinschaften unter die Lupe, verwandeln soziale Felder in theatralische Schauplätze, sezieren deren Strukturen mit Rhetoriken des Theaters und des Films. Dokumentarisches, (Auto)Biografisches und Fiktives bilden das Material für diese kritische Befragung der aktuellen Verfasstheit unserer Lebenswelt.
Die teilnehmenden KünstlerInnen werden in Kürze auf unserer Homepage bekannt gegeben.

Quelle: Generali Foundation, Wien